03. März 2020 7 min Lesezeit

Der Teufelsberg: aus einem Spion wird ein Magnet für Touristen 

Einer der absoluten Hotspots im Konflikt zwischen der westlichen und der sozialistischen Welt im geteilten Berlin war zu Zeiten des Kalten Krieges der Teufelsberg in Berlin-Grunewald. Denn da diese Erhebung auf dem Territorium Westberlins lag, bot sie den Alliierten einen taktischen Vorteil. Zumindest, was die Spionage angeht: Die USA hatten hier eine Abhöranlage eingerichtet. Diese machte es möglich, Hunderte von Kilometern in den Ostblock einzudringen und Nachrichten abzuhören. Betrieben wurde diese Anlage bis zum Ende des Kalten Krieges, als sich der Ostblock nach dem Berliner Mauerfall auflöste. Heute schätzen die Berliner den Teufelsberg als Freizeiteinrichtung. Und vor allem für historisch interessierte Berlin-Besucher zählt der Teufelsberg zu den absoluten Top-Sehenswürdigkeiten, die man einfach gesehen haben muss. 

 

Was ist der Teufelsberg? 

Beim Teufelsberg handelt es sich um einen sogenannten Trümmerberg, also um eine Erhebung die dadurch entstanden ist, dass Abfälle und Schutt künstlich aufgeschüttet wurden. Bis 2015 galt der Teufelsberg als höchste Erhebung in der Bundeshauptstadt. Jedoch stellte man damals fest, dass die Arkenberge – ebenfalls ein Trümmerberg – um 0,6 Meter höher sind als der Teufelsberg. 

 

Benannt wurde der Teufelsberg nach dem nahe gelegenen Teufelssee. An dessen östlichem Ufer wurde 1872 wurde am östlichen Ufer des Teufelssees ein Wasserwerk errichtet. Dieses stellte jedoch 1969 wegen hygienischer und technischer Mängel den Betrieb ein. Bereits seit 1960 steht der Teufelssee unter Naturschutz. Nichtsdestotrotz wurden am östlichen und südlichen Ufer Badestellen eingerichtet, die von den Berlinern und Gästen der Stadt gern genutzt werden. 

 

Wie ist der Teufelsberg entstanden 

Zu Zeiten des nationalsozialistischen Regimes wurde auf dem Areal des heutigen Teufelsberges der Rohbau einer wehrtechnischen Fakultät. Diese sollte ein Element beim Ausbau von Berlin zur Welthauptstadt Germania darstellen. Vollendet werden konnte diese Fakultät aber nie, sodass die Anlage bereits kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gesprengt und teilweise abgerissen wurde. Die Berliner nutzten die Überreste dieser Anlage als Baumaterial für den Wiederaufbau der zerstörten Stadt. Jene Reste des Gebäudes, die auf dem Gelände noch verblieben waren, wurden in den 1950er Jahren schließlich mit Trümmerschutt aufgefüllt. Der Grund dafür lag darin, dass bereits bestehende Deponien an ihre Kapazitätsgrenzen gestoßen waren und nicht mehr genutzt werden konnten. Über einen Zeitraum von 22 Jahren wurden hier nun bis zu 7.000 Kubikmeter Schutt pro Tag abgeladen – bis zum Jahr 1972 waren es insgesamt 26 Millionen Kubikmeter. 

 

Nachdem ab 1972 kein Bauschutt mehr am Teufelsberg abgeladen wurde, gestaltete die Stadt Berlin den Teufelsberg nun mit Mutterboden und Sand. Bei dieser Gelegenheit wurden zudem etwa eine Million Bäume auf dem Areal angepflanzt. Darüber hinaus wurden einige Einrichtungen zur aktiven Freizeitgestaltung eingerichtet. Dazu gehörten neben einem Skihang samt Schlepplift auch eine Sprungschanze sowie eine Rodelbahn. Eine gewisse Bekanntheit auf internationaler Ebene wurde diesem Wintersportgelände 1987 zuteil. Anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt wurde nämlich Ende Dezember des Vorjahres ein Promotionswettbewerb in der Disziplin Parallelslalom ausgetragen. Auf dem Siegertreppchen stand damals der Österreicher Leonhard Stock, ehemaliger Weltmeister und einstiger Olympiasieger. 

 

Der Teufelsberg und der Kalte Krieg 

Teufelsberg Berlin

Die US-Armee hatte bereits in den 1950er Jahren bemerkt, dass sich der Teufelsberg hervorragend eignen würde, um hier eine Abhöranlage zu installieren. Und das machten sie auch. Zunächst installierten sie eine mobile Anlage, mit der sie den Luftraum über Berlin überwachen konnten. Überwacht wurden vor allem die drei Flugkorridore, welche Berlin mit Westdeutschland verbanden. Doch schon bald wurde die mobile Anlage durch feste Gebäude, nämlich die Field Station Berlin Teufelsberg, ersetzt. Die US-Armee errichtete auf dem Berg insgesamt fünf Antennenkuppeln. Die Aufgabe der Mannschaft bestand darin, den Nachrichtenverkehr bis weit in den Ostblock hinein zu überwachen. Betrieben wurde diese Anlage nun in erster Linie von der National Security Agency, dem US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst. Die Field Station Berlin Teufelsberg war nun Teil des Spionagenetzes Echelon. Hierbei handelt es sich um ein weltumspannendes Spionagenetz, welches von den USA, Kanada, Australien, Großbritannien und Neuseeland betrieben wird. Ab den ausgehenden 1950er Jahren nutzten neben der NSA noch sieben weitere Sicherheits- und Aufklärungsdienste aus den USA und Großbritannien die Anlage auf dem Teufelsberg. 

 

Insgesamt hatten in der Abhöranlage 1.500 Menschen im Drei-Schicht-Betrieb unter nicht allzu guten Bedingungen gearbeitet. Der Grund: Sie mussten ihre Abhörarbeit ohne Tageslicht in stickiger Luft verrichten, weil nur die Kantine Fenster besaß. Und auch die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Geheimdiensten war alles andere als optimal. Denn die US-Amerikaner und die Briten misstrauten sich gegenseitig. So mancher vermutet, dass sich die Verbündeten auch gegenseitig abgehört haben. Ob dies tatsächlich der Fall ist, sei einmal dahin gestellt. In jedem Fall erfolgte kein Austausch zwischen den Diensten der befreundeten Staaten, sodass die Arbeit doppelt gemacht wurde. 

 

Die Militärs hatten den größten Teil der Grünanlagen militärisch genutzt. Lediglich der Südhang bllieb von der militärischen Nutzung verschont. Dieser wurde in den 1970er und 1980er Jahren genutzt, um dort Wein anzubauen. Gekeltert wurde daraus das Wilmersdorfer Teufelströpfchen. 

 

Der Teufelsberg nach dem Mauerfall  

Nach dem Mauerfall und der deutsch-deutschen Wiedervereinigung waren die technischen Anlagen auf dem Teufelsberg nunmehr nutzlos geworden. Sie wurden abgebaut und sowohl US-Amerikaner als auch Briten zogen 1991 ihre Truppen ab. Jedoch wurden die Gebäude nicht dem Verfall preisgegeben. Vielmehr wurden sie bis 1999 genutzt, um den zivilen Flugverkehr zu überwachen. 

 

Der Berliner Senat verkaufte das Gelände mit einer Größe von 4,7 Hektar an die Investorengemeinschaft Teufelsberg KG mit Sitz in Köln. Bereits 1998 entstanden Pläne für ein Hotel samt Tagungszentrum auf dem Teufelsberg. Des Weiteren sollten exklusive Wohnungen, eine Gaststätte und ein Spionagemuseum an diesem historischen Ort entstehen. Diese Pläne konnten allerdings nicht verwirklicht werden. Denn einerseits legten Umweltschützer massiven Protest ein, andererseits wären die Baukosten explodiert. Nachdem einige vorbereitende Bauten wie Fundamente errichtet worden waren, mussten die Investoren Insolvenz anmelden. 

 

So wird der Teufelsberg heute genutzt  

Gern besucht wird der Teufelsberg von Mountainbikern und Spaziergängern. Schließlich können sie von hier aus einen fantastischen Ausblick über das Naturschutzgebiet Grunewald sowie die Havel genießen. Schon seit den 1980er Jahren nutzen Longboarder gern die Straße, die auf den Teufelsberg führt, zum Downhill-Skaten. 

 

Auch wenn die Rodelbahn, die einst auf dem Teufelsberg existierte, mittlerweile geschlossen ist, zieht der Teufelsberg in den Wintermonaten Snowboarder und Rodler geradezu magisch an. Darüber hinaus betreibt der Deutsche Alpenverein auf dem Teufelsberg einen Kletterfelsen und alljährlich wird ein Silvesterlauf auf dem Teufelsberg abgehalten. 

 

Bis 2011 blieb es übrigens Besuchern verboten, das Gipfelplateau des Teufelsberges zu betreten. Erst im Februar dieses Jahres wurde eine legale Möglichkeit dazu geschaffen. Nämlich, als erstmals Führungen, die der Stadthistoriker Andreas Jüttemann angeregt hatte, angeboten wurden. 

 

Quo vadis, Teufelsberg? 

Wie der Teufelsberg künftig genutzt werden soll, steht bislang noch in den Sternen, obwohl einige Vorschläge schon seit Jahren auf dem Tisch liegen. Nachdem die ursprünglich geplanten Baumaßnahmen nicht mehr weiter voran getrieben wurden, ist der Teufelsberg seit April 2006 als Waldgebiet ausgewiesen, darf also künftig nicht bebaut werden.  

 

Einige Mitglieder des Naturschutzzentrums Ökowerk, welches im früheren Wasserwerk ein Informations- und Bildungszentrum rund um den Naturschutz betreibt, hatten gefordert, der Teufelsberg solle renaturiert werden. Dazu müsste das Land Berlin das Gelände aber zurückkaufen, was daran Scheitert, dass das Gelände mit Hypotheken in Höhe von circa 33 Millionen Euro belastet ist. Stattdessen wurde das Areal im Oktober 2018 aus historischen und städtebaulichen Gründen unter Denkmalschutz gestellt. 

 

Eine weitere Idee für die künftige Nutzung legte die Maharashi-Stiftung im Februar 2008 auf den Tisch: Die Stiftung hatte geplant, das Gelände zu kaufen, um darauf eine vedische Friedensuniversität zu errichten. Auch diese Idee verlief im Sande. 

 

Der Teufelsberg als Filmstar 

Nachdem 1979 einige Szenen des Films „Aufwind“ auf dem Teufelsberg gedreht worden waren, entdeckten auch weitere Regisseure den Teufelsberg als spektakuläre Kulisse für ihre Filme. Bislang sind es zwölf Produktionen, die zumindest teilweise auf dem Teufelsberg gedreht wurden. Darunter auch einige Filme, in welcher die Geschichte des Berges und die Aktivitäten darauf thematisiert werden. So hatte David Sieveking 2010 einen Dokumentarfilm gedreht, in welchem er die Aktivitäten der Maharashi Foundation filmisch begleitete. Thema des 2019 erschienenen Films „Cleo“ ist die Suche nach einem Schatz, welcher sich angeblich unter dem Teufelsberg befindet. Auch die Geschichte des Berges fließt hier in die Handlung mit ein. 

 

Führungen auf dem Teufelsberg  

Der Teufelsberg ist weit mehr als nur ein beliebtes Naherholungsziel für die Berliner. Wer sich für die Geschichte des Kalten Krieges und insbesondere des Teufelsbergs interessiert, hat die Gelegenheit, Wissenswertes im Rahmen einer Führung zu erfahren. Angeboten werden diese vom aktuellen Pächter, der MSM Management GmbH. Interessierte Besucher haben die Gelegenheit, täglich Führungen zu buchen, die jeweils unter einem bestimmten Motto stehen. Folgende Führungen stehen zur Auswahl: 

 

Die historische Führung – ein Blick in die Geschichte  

Grunewald AusflugszielBei dieser rund 90minütigen Führung werden die Besucher von Zeitzeugen und Experten über das Gelände des Teufelsberges begleitet. Die Teilnehmer erhalten hier einen umfassenden Einblick über die Geschichte des Teufelsberges, wobei ein gewisser Schwerpunkt natürlich auf der Zeit des Kalten Krieges und die Besetzung durch US-Amerikaner und Briten liegt. Die Führer spannen dabei einen historischen Bogen von der Kaiserzeit bis hinein in die Gegenwart. Diese Tour eignet sich sowohl für Erwachsene als auch für Kinder. Treffpunkt für die Teilnehmer ist das Haupttor der Field-Station. Teilweise wird diese Führung auch zweisprachig in deutsch und in englisch angeboten. 

 

Eine exklusive Tour über den Tempelberg 

Abseits der regulären Termine, welche für die historischen Führungen festgelegt sind, können Gruppen auch exklusive Führungen über den Teufelsberg buchen. Interessierte Gruppen können dabei neben dem Zeitpunkt auch die Sprache festlegen, in welcher die Führung abgehalten werden soll. Zur Auswahl stehen neben deutsch und englisch auch spanisch, französisch, italienisch und niederländisch. Angeboten werden diese exklusiven Touren für Gruppen ab 15 Teilnehmern zu einem Preis von 15 Euro je Teilnehmer. Aber auch private Touren sind auf dem Teufelsberg möglich. Wer sich dafür interessiert, muss eine Pauschale in Höhe von 225 Euro entrichten. 

 

Eine historische Wanderung mit Taschenlampe? 

Besonders nostalgisch erscheint die Abhörstation im Dunkel der Nacht. Deshalb werden die historischen Wanderungen auch zu nächtlicher Stunde mit Taschenlampe angeboten. Hier können sich die Besucher für eine Weile fühlen wie James Bond & Co. Während des Sommers finden diese Führungen allerdings nicht statt. 

 

Die stille Begehung  

Bei der stillen Begehung können die Besucher die sicheren Bereiche in der Radarstation frei begehen. Dabei verschaffen sie sich selbst einen Eindruck von den eindrucksvollen Gebäuden. Allerdings gibt es bei dieser Führung keine Erläuterungen zum Gelände oder zur Geschichte des Teufelsbergs.  

 

Der Teufelsberg – ein Hort der Kultur  

Teufelsberg Berlin als Erinnerung

Inzwischen darf der Teufelsberg auch als ein Hort der Kultur gelten. Denn obwohl sie keine Genehmigung hatten, haben sich eine Vielzahl von Street Art Künstlern an den Wänden der Gebäude kreativ ausgetobt. Daraus ist die Street Art Gallery geworden, die mittlerweile in der Szene auch einen hervorragenden Namen hat. So hatte der Verein Stilbruch beispielsweise im September 2017 ein großes Festival rund um Street Art und Graffiti auf dem Teufelsberg veranstaltet. Teilgenommen hatten daran eine Vielzahl von Künstlern aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus Tschechien, Spanien und sogar aus Kanada. 

 

Darüber hinaus werden auf dem Gelände des Teufelsberges – vorwiegend in der schönen Jahreszeit – regelmäßig kulturelle Events für Groß und Klein veranstaltet. Dazu gehören Konzerte, Theaterstücke und vieles mehr. Bei diesen Gelegenheiten erleben die Besucher Kulturgenuss auf höchstem Niveau in einer einzigartigen Atmosphäre.