16. März 2020 7 min Lesezeit

Der Berliner Fernsehturm: Wahrzeichen mit bester Aussicht 

Die silberne Kugel des Turms ist von vielen Orten in Berlin zu sehen. Manch einem dient der Turm als Wegweiser ins Zentrum der Stadt und hilft so, sich zu orientieren. Jedes Jahr hat der Turm Millionen Besucher, denn als höchstes Bauwerk Deutschlands bietet er eine ideale Aussicht auf die Hauptstadt. Mit 368 Metern ist der Turm eines der höchsten Gebäude und der vierthöchste Fernsehturm in Europa. In Berlin ist er der größte Blitzableiter der Stadt. Besucher brauchen sich bei Gewitter keine Sorgen zu machen, da die Konstruktion ein faradayscher Käfig ist. Die einzige Konsequenz bei Gewitter ist eine schlechtere Sicht. Ganz nach oben kommen Besucher nicht, denn den Abschluss und höchsten Punkt des Fernsehturms bilden Antennen. Die Aussichtsplattform liegt auf einer Höhe von 203 Metern. Aber diese Höhe reicht, um bei klarem Wetter die gesamte Stadt zu überblicken. Ein Besuch des Turms lohnt sich für Touristen und Berliner gleichermaßen. Die Hauptstadt befindet sich im stetigen Wandel und der Ausblick ist daher nie langweilig.  
Direkt am Alexanderplatz gelegen ist der Fernsehturm Berlin auf mehreren Wegen zu erreichen. Für Autofahrer stehen verschiedene kostenpflichtige Parkhäuser in der Umgebung bereit. Vom Bahnhof Alexanderplatz ist der Fußweg kürzer, da sich der S-Bahnhof und eine Straßenbahn fast direkt vor dem Eingang befinden. Der Fernsehturm Berlin steht nicht auf dem Alexanderplatz, sondern je nach Perspektive dahinter oder davor. 

 

Heute Denkmal, damals Symbol der DDR 

Auch wenn der Fernsehturm heute für ganz Berlin steht, zu seinen Bauzeiten war er als sozialistisches Vorzeigeobjekt der DDR angedacht. Der Vorsitzende des Staatsrats der DDR, Walter Ulbricht, eröffnete ihn am 3. Oktober 1969. Mit 365 Metern war er damals der zweithöchste Fernsehturm der Welt. Der Höchste, der Ostankino, stand zu der Zeit in Moskau. In Abgrenzung zum Westen war es naheliegend, dass der Turm höher sein musste als der Funkturm im damaligen West-Berlin. Trotz der Symbolkraft des Bauwerks ist es zugleich ein Beispiel architektonischer Baukunst. Innerhalb von vier Jahren entstand der Turm vom Fundament bis zur Spitze in Kletterbauweise. Die Basis bildet ein Stahlgerüst, das von Beton umgeben ist.  
Ironischerweise hätte der Bau ohne Materialien aus dem herabgewürdigten kapitalistischen Ausland nicht funktioniert. Die Technik für die Fahrstühle und die Materialien für den Turmkorb stammten aus Ländern wie Schweden oder Westdeutschland. Der Aufbau des Turms mit dem schmaler werdenden Schaft, der in der Kugel, dem Turmkorb, mündet, erinnert an eine Rakete. Die Architektur ist dem Internationalen Stil zuzuordnen und war für einen Fernsehturm einzigartig in Deutschland. Die silberne Verkleidung der Kugel macht den Turm an sonnigen Tagen und je nach Lichteinfall zu einem strahlenden Wahrzeichen. In seinem kompletten Gewicht mit Fundament, Turm und Kugel ist der Berliner Fernsehturm mehr als 30.000 Tonnen schwer.  
Die Sicherheit für Besucher war zu Bauzeiten ein wichtiger Punkt. Unterhalb der Kugel befinden sich Plattformen. Sie bieten bei einer Evakuierung Platz für bis zu 400 Personen. Neben den Fahrstühlen gibt es Treppen, die im Notfall über mehr als 900 Stufen den Turm hinabführen. Seit den 70er Jahren steht der Turm unter Denkmalschutz. Seit der Wende waren zahlreiche Renovierungen nötig. Eine Neuerung in den 90er Jahren, die Modernisierung der Antennenanlage, erhöhte die Maße des Turms auf 368 Meter. 

 

Wozu ist der Fernsehturm Berlin da? 

Der Name macht deutlich, welchen Zweck der Fernsehturm Berlin ursprünglich hatte: Er diente als Sendeanlage für Fernseh- und Radioprogramme. Die offizielle Bezeichnung des Berliner Fernsehturms war zur Bauzeit Fernmeldeturm 32. Wer es genau nimmt, nennt ihn Fernseh- und UKW-Turm Berlin. Der DDR standen nur wenige Frequenzen offen und daraus leitet sich die Höhe ab: je höher der Funkturm, desto besser die Reichweite. Seine Bedeutung in den Zeiten sozialistischer Propaganda ist nicht zu unterschätzen. Zumal die DDR-Führung im geteilten Berlin einen Gegensatz zu dem westlichen Rundfunk setzen wollte. Zur Debatte standen mehrere Standorte für den Bau der Sendeanlage. Erst nach einigen Jahren entschied sich die Führungsriege für den Platz am Alexanderplatz, um zugleich ein Zeichen zu setzen.  
Von Anfang an war der Fernsehturm Berlin so geplant, dass er für Besucher offen steht. Die Aussichtsplattform und die Speisekarte des Restaurants sollten die Erhabenheit des Sozialismus vorführen. Dass DDR-Bürger einen ausgezeichneten Ausblick jenseits der Mauer vom Turm aus hatten, war vielleicht ein weiterer Grund für dessen Beliebtheit. Mit der Eröffnung startete das Farbfernsehen in der DDR. Heute ist der Fernsehturm Berlin vor allem eine Sehenswürdigkeit, dennoch ist er weiterhin eine Sendeanlage. Zurzeit strahlen die Antennen mehr als 19 Radioprogramme aus und das Sendegebiet reicht bis in das Berliner Umland. 

 

Aussichtsetage und Berlins höchste Bar 

Besuchern des Berliner Fernsehturms stehen das Foyer mit Souvenirladen, die Aussichtsetage und das Restaurant Sphere offen. Zunächst geht es vom Foyer aus über Treppen zum Fahrstuhl. Die Einrichtung und Dekoration ist nur in Teilen original und greift den Internationalen Stil auf. Auf der Aussichtsetage in einer Höhe von 203 Metern erwartet den Besucher ein Rund-um-Blick auf Berlin. Der Turm schwankt je nach Wetter bis zu 15 Zentimeter. Davon ist oben nichts zu spüren. Bei bestem, klarem Wetter reicht die Sicht von der Aussichtsetage bis zu 70 Kilometer weit.  
Zu sehen sind weitere Wahrzeichen der Stadt wie das Brandenburger Tor, die Siegessäule, der Berliner Dom oder der Tiergarten. Für diejenigen, die die Stadt nicht in- und auswendig kennen, sind Schautafeln angebracht. Sie verdeutlichen, worauf sich der Blick richtet und geben kurze Informationen. So lassen sich Parks und Gebäude entdecken, die nicht bei jedem touristischen Programm abgedeckt sind. Wer noch mehr aus nächster Nähe sehen will, nutzt die in regelmäßigen Abständen angebrachten Fernrohre. Im Innenring der Aussichtsetage sorgt die Bar 203 für Essen und Getränke und gilt als höchste Panorama-Bar Berlins. Die Aufenthaltszeit auf der Etage ist nicht begrenzt. Jeder Besucher kann sich individuell Zeit nehmen, um Berlin von oben zu entdecken. Allerdings ist die Etage nur für 120 Personen zugelassen. Das bedeutet: Oben angekommen, nicht die Tickets wegwerfen. Denn die sind für den Ausgang notwendig, um zu erkennen, wie viele Personen noch oben sind. 

 

Fernsehturm Berlin Restaurant 

Ein Stockwerk über der Aussichtsetage liegt das Restaurant Sphere. Eine Treppe führt hinauf. Mit Glück lässt sich spontan ein Platz im Restaurant ergattern. Das Servicepersonal direkt an der Treppe gibt darüber Auskunft. Wer einen Platz sicher haben will, reserviert am besten. Zur Wahl stehen Fenstertische und Tische am Innenring, die eine Aussicht ins weiter entfernte Stadtbild bieten. Vom Restaurant reicht der Blick bis in das Bundesland Brandenburg hinein. Angeblich ist bei klarem Wetter sogar das Tropical Islands zu erkennen. Dieser Freizeitpark befindet sich in einem ehemaligen Luftschiffhangar und ist mehr als 70 Kilometer entfernt.  
Der Clou an dem Restaurant ist nicht nur die Aussicht. Wer es schafft, einen Fensterplatz zu ergattern oder zu reservieren, bekommt den Ausblick auf ganz Berlin, ohne sich zu bewegen. Der Bereich mit den Fenstertischen im Restaurant dreht sich innerhalb einer Stunde um die eigene Achse. Die Speisekarte reicht von typischen, klassischen Berliner Gerichten bis hin zu veganen und vegetarischen Speisen. Die Preise sind dem Standort entsprechend höher. Ein Frühstück mit erstklassigem Ausblick verspricht das monatlich dort stattfindende Buffet.  

 

Fahrstuhl mit Blick nach oben 

Ein Highlight im Fernsehturm Berlin ist die Fahrt mit dem Fahrstuhl. Für Besucher stehen zwei Aufzüge zur Verfügung. In weniger als 40 Sekunden fahren diese zur Aussichtsetage. Das sind sechs Meter in einer Sekunde. Die Geschwindigkeit ist durch einen Druck auf den Ohren zu spüren. Im Fahrstuhl finden bis zu acht Personen Platz. Ein Bildschirm zeigt die jeweilige Höhe an. Spannender ist der Blick nach oben: Die Fahrstühle haben Fenster, sodass der Fahrstuhlschacht zu sehen ist. Herrlich altmodisch sind die Aufzugführer, die die Personen herein- und herausbitten und Informationen innerhalb dieser kurzen Fahrt vermitteln. 

 

Tickets, Öffnungszeiten und Wartezeit 

Millionen von Besuchern genießen jährlich den Ausblick vom Fernsehturm Berlin. Das bedeutet lange Wartezeiten. Wer spontan bei gutem Wetter vorbeischauen will, stellt sich am besten auf eine Wartezeit von ein bis zwei Stunden ein. Ein geplanter Besuch garantiert zwar nicht die beste Aussicht aber kürzere Wartezeiten. Wer weiß, wann er den Turm besuchen will, kann das Ticket vorab online kaufen. So verhält es sich auch mit dem Restaurantbesuch. Wer im Restaurant essen möchte, reserviert am besten. Es gibt Fast View Tickets, die einen Eintritt ohne Wartezeit garantieren. Übrigens ist nicht jeder Besuch mit langen Wartezeiten verbunden. Im Winter, bei schlechtem Wetter oder unter der Woche am Abend ist es durchaus möglich, auf wenige Besucher zu treffen.  
Die Öffnungszeiten vom Fernsehturm Berlin sind saisonal angepasst: Im Winter und Herbst öffnet er erst ab zehn Uhr. Geöffnet sind die Aussichtsetage und das Restaurant bis Mitternacht. Die letzte Auffahrt mit dem Fahrstuhl ist um 23:30 Uhr. Die Tickets für die Aussichtsetage kosten für Erwachsene 17,50 Euro. Für Studenten und Kinder gibt es ermäßigte Preise. Tickets lassen sich online oder direkt vor Ort kaufen. Kinder unter vier Jahren haben freien Eintritt. Für Berliner und Brandenburger ist es empfehlenswert, auf besondere Aktionen zu achten. Von Zeit zu Zeit ist der Eintritt für sie reduziert.  

 

Barrierefreiheit im Fernsehturm Berlin? 

Für Personen mit großem Gepäck oder Kinderwagen steht im Foyer eine Garderobe bereit. Aus Sicherheitsgründen ist es nicht erlaubt, diese mit auf die Aussichtsetage zu nehmen. Aufgrund der Bauart ist der Besuch für Personen mit Gehbehinderung oder mit Rollstuhl nicht möglich. Das immerhin mehr als 50 Jahre alte Bauwerk entstand zu einer Zeit, als Barrierefreiheit noch kein Thema war. Schon im Foyer führen zwei Treppen zur ersten Etage, in der sich der Fahrstuhl befindet. Zum Restaurant führt eine weitere Treppe von der Aussichtsetage. In Notfällen könnten Menschen mit Gehbehinderung oder Rollstuhl die Treppen hinab mit mehr als 900 Stufen nicht bewältigen. Ebenso ist die Mitnahme von Hunden, sofern es keine ausgewiesenen Begleithunde sind, nicht erlaubt. 

 

Vom Fernsehturm Berlin entdecken 

Der Berliner Fernsehturm ist der ideale Ausgangspunkt, um zahlreiche Sehenswürdigkeiten in der Nähe zu erkunden. Nach einem Blick von oben lässt sich die historische Mitte Berlins, das Nikolaiviertel, in wenigen Minuten Fußweg erreichen. Auf dem Weg liegt das Rote Rathaus, Sitz des Berliner Bürgermeisters. Im Nikolaiviertel bilden die rekonstruierten Gebäude mit Läden, Restaurants und Cafés einen Ruhepol im Vergleich zum turbulenten Alexanderplatz. Direkt am Nikolaiviertel liegt das Ephraim-Palais, ein Stadtmuseum mit wechselnden Ausstellungen.  
Restaurants, gehobenes Shopping und sehenswerte Innenhöfe bieten die Hackeschen Höfe und der Hackesche Markt. Sie sind etwa zehn Minuten Fußweg oder zwei Stationen mit der Straßenbahn entfernt. Vom Hackeschen Markt aus führt die Oranienburger Straße zur Neuen Synagoge und zur Friedrichstraße.  
Zehn Minuten zu Fuß entfernt liegen der Berliner Dom und der Lustgarten. Ein Spaziergang von dort führt weiter zur Museumsinsel oder zur Prachtallee Unter den Linden, deren Abschluss das Brandenburger Tor bildet.  
In unmittelbarer Nähe liegt der Alexanderplatz. Hier gehört die Weltzeituhr zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten. Eingerahmt ist der Alexanderplatz von Gebäuden, die die Architekturstile der DDR widerspiegeln. Wer sich dafür interessiert, macht einen Abstecher zum Haus des Lehrers, zum Haus des Reisens oder der Karl-Marx-Allee.  
Mit der S-Bahn, der U-Bahn oder der Straßenbahn kommen Besucher vom Alexanderplatz nahezu zu allen Sehenswürdigkeiten Berlins. Eine einfache und günstige Möglichkeit, die Stadt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erkunden, sind die 100er und 200er Buslinien. Sie führen vom Alexanderplatz aus zum Zoologischen Garten. Der 200er fährt über die Leipziger Straße am Roten Rathaus vorbei zum Potsdamer Platz. Die Strecke des 100ers verläuft von Unter den Linden am Reichstag entlang und an der Siegessäule vorbei. Vom Bahnhof Alexanderplatz dauert es mit der Regionalbahn eine knappe Stunde, um nach Potsdam und Schloss Sanssouci zu kommen.  

 

Funkturm: Der kleine Bruder in Westberlin 

Der Berliner Fernsehturm hat keine offene Plattform. Die Hauptstadt von oben bei frischer Luft bieten andere Aussichtspunkte wie die Siegessäule oder der Funkturm im Westen der Stadt. Im Vergleich zum Fernsehturm Berlin ist der Berliner Funkturm mit 147 Metern Höhe um mehr als 200 Meter kleiner. Dennoch bietet er einen guten Ausblick auf Westberlin mit dem Teufelsberg, der Gedächtniskirche oder dem Olympiastadion. Ein Fahrstuhl bringt die Besucher auf die Aussichtsplattform. Der Eintritt ist mit sechs Euro für Erwachsene günstiger. Allerdings ist der Funkturm mit der offenen Aussichtsplattform anfälliger für schlechtes Wetter. Abgesehen davon, dass er montags regulär geschlossen ist, kommt es vor, dass er bei Regen und Wind nicht öffnet. Wer einen Besuch plant, erkundigt sich bei schlechtem Wetter am besten vorab, ob der Funkturm geöffnet ist. Die Plattform ist kleiner als beim Berliner Fernsehturm, dafür sorgt der gläserne Fahrstuhl für ein besonderes Fahrerlebnis.